„Die Kunst des Friedens“ – Kommentar: Direkt und polarisierend

In der vergangenen Woche verstarb eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Gegenwart, Nelson Mandela, seines Zeichens nicht nur ehemaliger Präsident Südafrikas sondern auch einer der wichtigsten Streiter für den Frieden und die Völkerverständigung. Persönlichkeiten wie Nelson Mandela sind es, auf die Frank Fabian in seinem neuen Buch, Die Kunst des Friedens“ verweist, wenn er diskutiert wie Frieden aktiv herbeigeführt und aufrechterhalten werden kann“.

Sun Tzu, ein chinesischer Autor und General verfasste vor rund 2500 Jahren das Buch, Die Kunst des Krieges“, ein Buch, das Kämpfer Strategien und Techniken für bestmögliche Kriegsführung lehrt. Auf Basis dieses Buches stellt Fabian die These auf, dass, wenn es eine Kunst des Krieges“ gibt, auch eine Kunst des Friedens existieren muss. Krieg als die schlimmste Geißel der Menschheit, muss um jeden Preis verhindert werden. Doch kann nur den Frieden herbeiführen, wer um die Ursachen des Krieges weiß, wer Kriegstreiber und Hintermänner zu erkennen und zu durchschauen vermag. Die Kunst des Friedens“ setzt dabei in der Analyse vor allem auf historische Betrachtung. Über ausgewählte Abschnitte geht es dabei von der antiken Geschichte Zentral- und Südostasiens über die Neuzeit und Weltkriege bis in die Gegenwart. Dadurch soll veranschaulicht werden, wie in verschiedenen Kulturen Kriege schnell beendet, Frieden herbeigeführt und gesichert wurde.

Direkt und polarisierend

Wir leben in unsicheren Zeiten. Die NSU, NSA und fanatische Gotteskrieger sind nicht nur allgegenwärtige Themen, sondern werden von Staatsoberhäuptern und führenden Kräften der Gesellschaft als latente Risiken des Friedens gesehen. Geht es nach Frank Fabian ist dies das Klima, in dem der bestehende Frieden nachhaltig bedroht wird. Dabei liegt ihm daran aufzuzeigen, dass wir in großer Sicherheit leben und sich uns die Chance auf lange währenden Frieden bietet, wenn wir uns auf die Beispiele besinnen, die die Geschichte beinhaltet, und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

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Frank Fabian, Jahrgang 1952, studierter Historiker und Philosoph ist bekannt für seine teils kontrovers geführten Diskussionen gesellschaftlicher und historischer Themenkomplexe. In der Tradition bereits von ihm veröffentlichter Bücher wie Die größten Fälschungen der Geschichte: Was so nicht in unseren Schulbüchern steht“ begegnet Fabian der Weltgeschichte und ihren Persönlichkeiten auf unkonventionelle Art. Bedeutende historische Persönlichkeiten wie etwa Otto von Bismarck oder Martin Luther rückt er in ein neues Licht, um seine Sicht auf die Entwicklung einer Friedengesellschaft zu verdeutlichen. Dabei sind die Bewertungen der historischen – vor allem aber friedenspolitischen – Leistungen dieser Personen nicht selten überraschend, oder gar diametral zur gesellschaftlich etablierten Meinung. Fabian will den Leser mit seinem Buch aufrütteln, zur Reflexion des Status quo bewegen, ihn sensibilisieren für die Bedeutung des Friedens und wie dieser zu erreichen ist. Scharfe Schwarz-Weiß-Zeichnung ist das bestimmende Merkmal seiner Darstellung und bereits bei der Auswahl guter und schlechter historischer Beispiele der Friedenspolitik auszumachen: Mahatma Gandhi vs. Adolf Hitler; Ashoka vs. Napoleon. Die Gegenüberstellung dieser Persönlichkeiten und deren Bewertung kondensieren dabei in einem klassischen Gut gegen Böse-Schema“. Die Argumentation des Autors erfolgt dabei indirekt. Fabian sieht die Kenntnis des Krieges und seiner Ursachen als die Basis für den dauerhaften Frieden. So fokussiert Fabian das Böse und Destruktive, um daraus abzuleiten, worauf die Gesellschaft bei der Wahrung des Friedens besonders achten muss.Fabian sucht mit seiner Darstellung ein möglichst breites Publikum und viele potenzielle Friedensaktivisten zu erreichen und bedient sich hierfür einer direkten und volkstümlichen Sprache. Zuweilen plakativ und polemisch kritisiert Fabian gegenwärtige wie vormalige Staatsoberhäupter und Gesellschaften. Dabei holt er zum Rundumschlag gegen die Mächtigen, vor allem Alleinherrscher und Militaristen, aus, die er als Prototypen des Kriegstreibers bzw. des Bösen ausmacht. Aber auch Religion, Massenmedien und Psychiatrie sieht der Autor als Kräfte, die die Entwicklung hin zum Krieg oder Frieden beeinflussen. Frank Fabian gelingt es durch seine polarisierende Bewertung historischer Akteure, den Leser zum Nachdenken zu bewegen und sich zu positionieren. Fabian bietet mit seinem Buch einen interessanten Ansatz, sich näher mit den Möglichkeiten und der Herbeiführung des Friedens zu beschäftigen.
(Diese Besprechung erschien zuerst beim P.T. Magazin.)

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